PLA 2026 MV
© Wegweiser Media & Conferences GmbH / Simone M. Neumann

So gelingt die digitale Baugenehmigung

Public Leadership Award 2026: Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet

Für das Projekt „Digitale Baugenehmigung“ wurde das Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern mit dem Public Leadership Award 2026 in der Kategorie „Award für Sichere (digitale) Infrastrukturen & öffentliche IT-Landschaft“ ausgezeichnet. Im Gespräch erklärt Christoph Vollmer, was die Digitale Baugenehmigung so erfolgreich macht, wie Standardisierung und länderspezifische Anforderungen zusammenpassen und welche Rolle digitale Assistenten, BIM und KI bei der Weiterentwicklung spielen.

Titelbild (v.l.n.r.):  Lukas Scholz und Christoph Vollmer (Preisträger) sowie das Team von DiPlanung (ebenfalls Preisträger*innen des Public Leadership Awards).

Verwaltung der ZuKunft: Glückwunsch zum Public Leadership Award! Was bedeutet diese Auszeichnung für Ihr Team und alle Beteiligten am Projekt?

Christoph Vollmer: Vielen Dank erst einmal dafür. Die Auszeichnung ist eine schöne Anerkennung für die Arbeit, die wir jetzt hier schon seit einigen Jahren leisten, und die Bestätigung, dass wir uns im Sinne der ursprünglichen Anforderungen von OZG und Co. doch auf den richtigen Weg begeben haben und gleich von Anfang an auf eine Plattform gesetzt haben, die per Konzeption in anderen Ländern nachgenutzt werden kann.

VdZ: Die Digitale Baugenehmigung wird inzwischen in 13 Bundesländern eingesetzt und zählt zu den größten EfA-Projekten. Können Sie das Projekt kurz vorstellen? Was macht die Lösung aus Ihrer Sicht so erfolgreich?

Vollmer: Unser damaliges Energieministerium hat die Lösung in ihrem Kern bereits zum Einsatz gebracht, in einer Unteren Bauaufsichtsbehörde hier in Mecklenburg-Vorpommern. Und als das Thema OZG dann aufkam und die jeweiligen Themenfelder verteilt wurden, hatte sich Mecklenburg-Vorpommern gemeldet und das Themenfeld Wohnen für sich beansprucht.

Dann ging es natürlich in die Evaluierung der möglichen Lösung, und so kam man dann auch darauf, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ja schon mal im Land in den Einsatz gebracht wurde. Daraus folgte dann das entsprechende Vergabeverfahren.

Der Kern, der die Lösung zum damaligen Zeitpunkt, aber auch heute, so attraktiv gemacht hat, ist die bidirektionale Kommunikationsplattform, die eine Kommunikation über alle Ebenen hinweg in Echtzeit in einem Verfahren ermöglicht. Und das ist auch das, was eben bei der Nachnutzung dann der springende Punkt war, weswegen viele Länder gesagt haben: Wir möchten euren EfA-Dienst mitnutzen.

Und deswegen machen wir uns jetzt auch auf den Weg, dieses Verfahren zu erweitern und in die horizontale Skalierung zu bringen, mit einigen Ländern zusammen, damit es für weitere Verwaltungsverfahren genutzt werden kann.

© Wegweiser Media & Conferences GmbH / Simone M. Neumann
Feierliche Preisverleihung auf dem 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung

VdZ: Das Projekt setzt auf gemeinsame Standards wie XBau und gleichzeitig auf die Berücksichtigung landesspezifischer Anforderungen. Wie gelingt dieser Spagat zwischen Standardisierung und Flexibilität?

Vollmer: Wir haben ein standardisiertes Framework, auf dem der gesamte Online-Dienst aufbaut, inklusive all seiner Erweiterungen. Jedoch bewegen wir uns im Bereich Baurecht in einem Rechtsgebiet, das landesspezifische Anforderungen und Bedarfe berücksichtigt.

Diese können per Konfiguration innerhalb der Standardformulare angepasst werden. Und das ist eben auch die Möglichkeit zur Flexibilisierung und zur kosteneffizienten Anpassung, dass wir keine neuen Programmierungen veranlassen müssen, sondern lediglich eine Konfiguration der Online-Dienste vornehmen.

VdZ: Die Digitale Baugenehmigung wird kontinuierlich anhand des Feedbacks von Antragstellenden und Sachbearbeitenden weiterentwickelt. Welche Rückmeldungen haben Sie besonders überrascht oder zu wichtigen Verbesserungen geführt?

Vollmer: Was uns tatsächlich sehr überrascht hat, als wir das in einigen Kommunen bereits eingeführt hatten, dass allein die digitale Einreichung und die digitale Beteiligung, die ja Kern unseres Systems ist und auch rechtsunabhängig fungiert oder agiert, eigentlich der größte Mehrwert war, den uns die Sachbearbeitung geschildert hat.

Wir hatten einen Termin vor Ort, und ein Sachbearbeiter aus Brandenburg kam zu uns und meinte: „Sie können sich gar nicht vorstellen, was das für eine Erleichterung ist, dass wir das jetzt in einfacher Ausfertigung digital bekommen, nicht mehr in siebenfacher Ausfertigung, und direkt beteiligen können.“

Und das ist genau dieses Feedback, was man sich ja erhofft, wenn man so etwas entwickelt.

Wir haben zahlreiche Anmerkungen, aber auch größere Anmerkungen, die dazu geführt haben, dass wir ja Ende August einen digitalen Assistenten produktiv schalten, der Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Fragestellungen zum Verfahren beauskunftet.

Wir haben diese Anmerkungen dann auch noch einmal im Digitalisierungslabor evaluiert, und das war doch eine einschneidende Erkenntnis: dass durch einfache Beauskunftung tatsächlich eine Vollzeitstelle in einer anderen Bauaufsichtsbehörde im Jahr blockiert ist.

Also davon versprechen wir uns jetzt von dieser Veränderung doch einen erheblichen Mehrwert und eine Entlastung der Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter.

»

Und das ist genau dieses Feedback, was man sich ja erhofft, wenn man so etwas entwickelt.

«

VdZ: Der Award zeichnet nicht nur Erreichtes aus, sondern blickt auch nach vorn. Welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für die Digitale Baugenehmigung an – etwa mit Blick auf Automatisierung, KI oder BIM?

Vollmer: Die lassen sich relativ leicht in vier Felder aufteilen.

Das erste ist, was ich schon ansprach, die horizontale Skalierung, also die Öffnung der einzelnen Komponenten und die Übertragung auf andere Verwaltungsleistungen und Rechtsgebiete. Das ist ein größeres, umfassendes Projekt, das wir dann auch mit den unterschiedlichen Ländern gemeinsam angehen.

Ganz konkret für die Digitale Baugenehmigung haben wir drei Anwendungsfelder. Das ist einmal der bereits angesprochene digitale Assistent, dann Building Information Modeling, sprich datenbasiertes Bauen, und der Bereich Law as Code, den wir sowohl mit dem BMDS und den dort entwickelten Spark-Komponenten verproben, als auch der Bereich Null Mapping, sprich KI-gestützte Regelprüfung.