Wenn der Bundestrainer fordert, „Schwarz-Rot-Gold“ nicht den Extremisten zu überlassen ...
... dann geht es um mehr als „nur“ um Fußball.
Wenn aber von „dem“ Bundestrainer die Rede ist, gibt es kaum Zweifel, dass damit nur der Cheftrainer der DFB-Nationalmannschaft (Herren) gemeint sein kann, aktuell Jürgen Norbert Klopp, in Fachkreisen „Kloppo“ genannt. Aber auch er dürfte wissen, dass es über ihm noch mehrere Millionen andere „Bundestrainer“ gibt, die jedoch entweder vor dem Fernseher oder auf der Tribüne sitzen. Aber das ist ein anderes Kapitel.
Bei der Bekanntgabe seines ersten Länderspielkaders am 17. September 2026 hat sich Jürgen Klopp u. a. dafür ausgesprochen, „die Deutschlandfahne zurückzuholen“. Frage: Von wo?
Gemeint war wohl von jenen rechtsextremen Kreisen, in denen die Deutschlandfahne für Nationalstolz steht, nicht aber für einen offenen, vielfältigen, freundlichen, mitfühlenden Patriotismus. Dass sich daran sofort eine leidenschaftliche politische und gesellschaftliche Debatte entzündete, war klar, denn wenn es um strittige Begriffe wie Patriotismus oder gar unsere nationalen Symbole geht, ist Deutschland wenig entspannt. Dann bunkern sich (zu) viele in den jeweiligen rhetorischen Schützengräben ein.
Manche zucken ja schon beim Begriff „Patriotismus“ zusammen und stellen jene, die mit diesem Wort keine Probleme haben, ruckzuck in die rechte Ecke. „Lokalpatriotismus“ okay, das lässt die Sprachpolizei anno 2026 noch so eben durchgehen, aber deutscher Patriotismus? Oha. Werden da nicht Erinnerungen an 1933 bis 1945 wach? Nö, denn Schwarz-Rot-Gold sind weder die Farben der Nazis (die diese Flagge sogar verboten haben) noch die der sog. Reichskriegsflagge. Übrigens waren das auch nicht die Insignien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Reich besaß andere Symbole, u. a. Krone, Zepter, Reichsapfel.
Schwarz-Rot-Gold waren schon im frühen 19. Jahrhundert die Farben der Freiheit und der deutschen Einheit geworden.
Mit Schwarz-Rot-Gold waren die Straßen in Frankfurt am Main geschmückt, als sich die Volksvertreter 1848 auf den Weg zu ihrem Tagungsort begaben. Im Rechtsausschuss der Nationalversammlung erhielt Schwarz-Rot-Gold 1918 von 28 Stimmen insgesamt 16 - damit war die Entscheidung gefallen.
Im Grundgesetz heißt es heute in Art. 22 II mit ergreifender Schlichtheit, „die Bundesflagge ist Schwarz-Rot-Gold“. Wer damit ein Problem hat, hat vermutlich auch ein Problem mit dem, wofür unsere Flagge steht: Einheit, Freiheit, Demokratie.
Vielleicht wäre es sinnvoll, auch einmal jenseits dieser drei Farben über das Verhältnis von Patriotismus und Nationalismus zu sprechen, denn Patriotismus – so, wie ihn Jürgen Klopp und Millionen andere verstehen – ist nicht die gesteigerte Form von Nationalismus – er ist das Gegenteil. Der Patriot liebt sein Land, aber er respektiert und achtet die Vaterländer anderer und käme niemals auf die Idee, diese verächtlich zu machen.
Also: Jungs, holt Euch die Fahne zurück. Am besten gelingt das durch guten Fußball 🙂