Projektmanagement ist heute ein Schlüssel für Innovationsfähigkeit und Umsetzungsstärke auch in der öffentlichen Verwaltung.
Digitale Transformation, demografischer Wandel, Nachhaltigkeit und neue Formen der Zusammenarbeit stellen Verwaltungen vor komplexe Herausforderungen mit Wechselwirkungen. Klassische Routinen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Die Antwort auf diese Komplexität sind Projekte, das heißt zielgerichtete, zeitlich begrenzte und innovative Vorhaben mit Gestaltungsanspruch. Doch nur, wenn diese Vorhaben professionell gemanagt werden, entfalten sie ihre Wirkung. Projektmanagement ist deshalb kein „nice to have“, sondern ein zentraler Future Skill für alle, die Wandel aktiv steuern wollen. Die gute Nachricht: Projektmanagement ist lernbar. Nicht abstrakt und theoretisch, sondern durch eine fundierte Kombination aus Wissen, Anwendung und Erfahrung. Aber es lernt sich nicht nebenbei.
Wie kann ein solcher Lernprozess gelingen, besonders in einem Umfeld mit eigenen Regeln wie der öffentlichen Verwaltung? Hier kommt das Lerndreieck ins Spiel. Wer wirklich wirksam werden will, muss Projektmanagement als eigenes Kompetenzfeld ernst nehmen und gezielt aufbauen.
Wie man Projektmanagement wirklich lernt: Das Lerndreieck
Projektmanagement ist keine reine Theorie – und auch kein reines Handwerk und schon gar nicht lernt man es, wenn man andere beim Managen von Projekten beobachtet. Wer Projekte wirklich wirksam steuern will, braucht eine Kombination aus Wissen, Anwendung und Erfahrung. Genau hier setzt das Lerndreieck an: Es verbindet Theorie, Praxis und Erfahrungswissen bzw. Netzwerk zu einem Lernprozess, der gerade in der öffentlichen Verwaltung essenziell ist.
Theorie – Die Basis verstehen
Eine solide theoretische Grundlage bildet das Fundament jeder Projektkompetenz. Dazu gehören ein Verständnis für Projektarten, Rollen, Phasen und etablierte Standards wie GPM/IPMA oder agile Ansätze. Doch viele machen den Fehler, direkt mit Methoden zu beginnen, ohne zu verstehen, wofür und wann sie geeignet sind. Stattdessen braucht es didaktisch durchdachte Formate, die Theorie systematisch aufbauen und mit dem Verwaltungskontext verknüpfen.
Praxis – Sofort anwenden, im eigenen Kontext
Wissen bleibt abstrakt, wenn es nicht angewendet wird. Gerade kleinere Projekte oder Vorhaben im eigenen Umfeld bieten wertvolle Lernräume. Entscheidend ist, dabei bewusst auf die eigene Rolle zu schauen: Was gelingt? Wo sind Stolpersteine? Welche Dynamiken entstehen? Nur wer Projektmanagement erlebt, kann es wirklich verstehen.
Empfehlung: Frühzeitig Verantwortung in Projekten übernehmen – auch in Pilotprojekten, Veränderungsvorhaben oder ressortübergreifender Zusammenarbeit. Beobachten allein reicht nicht.
Erfahrungswissen und Netzwerk – Von und mit anderen lernen
Erst der Austausch mit Praktiker:innen bringt die Perspektivenvielfalt, die es für wirksames Projektmanagement braucht. Was in Lehrbüchern funktioniert, muss in realen Kontexten oft angepasst werden. Gespräche mit Kolleg:innen, Einblicke in andere Organisationen oder der Besuch von Fachveranstaltungen eröffnen neue Zugänge.
Empfehlung: Hospitationen, Fachcommunitys, Lernpartnerschaften oder kollegiale Beratung sind hervorragende Wege, um Erfahrungswissen zu erschließen und weiterzugeben. Gerade in der öffentlichen Verwaltung kann so eine neue Kultur des gemeinsamen Lernens entstehen.
Wissenschaftliche Fundierung: Lernen in Theorie und Praxis
Das Lerndreieck aus Theorie, Praxis und Erfahrungswissen/Netzwerk lässt sich in zentrale Konzepte der Lernforschung, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist, einordnen.
Ein besonders relevanter Bezug ist das 70-20-10-Modell des Lernens im Beruf, das sich in vielen Organisationen etabliert hat. Es besagt, dass wir
- 70 % durch konkrete Erfahrungen und Herausforderungen im Arbeitskontext lernen,
- 20 % durch Austausch mit anderen, z. B. durch Feedback, Mentoring oder kollegiale Beratung,
- und 10 % durch formale Weiterbildung, etwa in Seminaren oder Studienprogrammen
Auch der Lernzyklus von David Kolb verstärkt dies. Lernen erfolgt hier in einem vierstufigen Prozess:
- Konkrete Erfahrung
- Reflexive Beobachtung
- Abstrakte Konzeptualisierung (Theorie)
- Aktives Experimentieren
→ Der Wechsel zwischen Handlung und Reflexion sowie zwischen Theorie und Anwendung ist für nachhaltiges Lernen zentral – und im Lerndreieck methodisch angelegt.
Ergänzt wird dies durch den konstruktivistischen Lernansatz, wie er u. a. von Jean Piaget oder Jerome Bruner vertreten wurde. Er geht davon aus, dass Wissen nicht einfach aufgenommen, sondern aktiv konstruiert wird – durch eigene Erfahrungen, Relevanz und soziale Einbettung.
Ein hervorragendes Beispiel für die gelungene Verbindung von Theorie, Praxis und Erfahrungswissen ist das Ausbildungsprogramm der Transformationspaten für Digitalisierung im Auftrag des Bundes. Über die Digitalakademie des Bundes im Rahmen des Jahresprogramms der Bundesakademie werden Mitarbeitende aus allen Hierarchieebenen, von der Sachbearbeitung bis zur Abteilungsleitung, gezielt befähigt, Transformationsprojekte zu initiieren, umzusetzen und erfolgreich abzuschließen. In sechs Monaten erwerben die Teilnehmenden das nötige Rüstzeug, um als Multiplikator:innen Veränderungen in ihren Behörden aktiv zu gestalten, Mitarbeitende zu befähigen und einen echten Kulturwandel zu fördern. Das praxisorientierte Format richtet sich an Menschen mit hoher Veränderungsbereitschaft – und folgt dabei genau der Logik des Lerndreiecks: fundierte Theorie, unmittelbare Anwendung im eigenen Kontext und intensiver Austausch mit anderen Lernenden.
Fazit: Projektmanagement lernen heißt, sich entwickeln – fachlich und persönlich
Projektmanagement ist weit mehr als das Abarbeiten von Plänen oder das Koordinieren von Aufgaben. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Veränderung aktiv zu gestalten und mit Komplexität souverän umzugehen. Gerade in der öffentlichen Verwaltung, wo Projekte oft unter herausfordernden Rahmenbedingungen stattfinden, werden Menschen benötigt, die Projektmanagement nicht nur kennen – sondern können.
Wer Projektmanagement ernsthaft lernen will, sollte nicht bloß mitlaufen, sondern gezielt Kompetenzen aufbauen, Erfahrungen reflektieren und den Austausch mit anderen suchen.
Denn Projektmanagement zu lernen heißt auch: sich selbst weiterzuentwickeln – als Fachkraft, als Führungspersönlichkeit, als Gestalter:in von Zukunft.